Simon: Ja
zur Ganztagesschule - "aber nicht mit wehenden Fahnen"
DEGGENHAUSERTAL - "Brauchen wir Ganztagsbetreuung in der
Schule in Wittenhofen?" Diese Frage stand im Mittelpunkt einer
Podiumsdiskussion des Deggenhauser SPD-Ortsvereins. Rund 50 Zuhörer
waren dazu am Montagabend in den "Ochsen" nach Roggenbeuren
gekommen.
Von unserer Mitarbeiterin Brigitte Walters
Eigentlich lehnte keiner der Podiums-teilnehmer die Ganztagesbetreuung
oder Ganztagesschule ab. Während der SPD-Landtagsabgeordnete
Norbert Zeller und Josef Brugger, Rektor der Pestalozzi-Hauptschule
in Friedrichshafen, sich recht deutlich dafür aussprachen,
hatte die Rektorin der Grund- und Hauptschule in Wittenhofen,
Ursula Hefler, einige Bedenken. Sie sprach sich für eine
schrittweise Einführung aus. Bürgermeister Knut Simon
hob auf die nicht finanzierbaren Belastungen für die Gemeinde
ab.
Norbert Zeller nannte zwei wesentliche Gründe, die für
eine Ganztagesschule sprechen: Einerseits könnten die Kinder
individuell besser und leichter gefördert werden. Andererseits
gehe es um Chancengleichheit für schwächere Schüler.
Hinzu kom-me, dass auch im ländlichen Raum die Frage nach
Vereinbarkeit von Familie und Beruf immer öfter gestellt werde.
Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Stuttgarter
Landtag erläuterte außerdem die Zuschuss-Möglichkeiten
bei notwendigen Investitionsmaßnahmen. Zusätzliche Personalkosten
blieben beim Land hängen. Voraussetzung für die Ganztagesschule
sei ein pädagogisches Konzept. Die Schule müsse zudem
mindestens an drei Tagen ein ganztägiges Angebot machen -
einschließlich Mittagessen für die Schüler.
Bürgermeister Knut Simon mach-te deutlich, dass durch das
Angebot einer Ganztagesschule die Attraktivität der Gemeinde
steigen würde. "Wir wollen in diese Richtung gehen, aber
nicht mit wehenden Fahnen", stellte er fest. Ein Betreuungsangebot
an der Schule müsse die Gemeinde finanzieren, was derzeit
nicht möglich sei. Erst müsse der finanzielle Hintergrund
geschaffen werden. Dabei komme es auch aufs Engagement der Bürger
an.
Das pädagogische Profil der Pestalozzi-Gesamtschule erläuterte
Josef Brugger. Derzeit habe jeder Schüler mindestens an zwei
Nachmittagen in der Woche Unterricht.
Eine schriftliche Umfrage bei den Eltern zum Thema hatte Ursula
Hefler an der Wittenhofener Schule gemacht. Dabei waren von den
250 ausgeteilten Fragebögen 138 wieder zurückgekommen.
Knapp zwei Drittel der Eltern verneinten den Bedarf für ein
erweitertes Betreuungsangebot. Über 50 Eltern wünschten
sich jedoch ein erweitertes Angebot. Dabei sollten sportliche und
musikalische Interessen berücksichtigt werden, aber auch Sprachkurse.
Am häufigsten wurde eine Hausaufgabenbetreuung gewünscht.
Es seien günstige Rahmenbedingungen notwendig, so müsse
die Frage der Busverbindungen vorher geklärt werden. Die Schulen
dürften nicht stehen bleiben, sie müssten sich den Veränderungen
der Gesellschaft anpassen. Es sei viel Phantasie, Zuversicht und
ein langer Atmen notwendig, um in kleinen Schritten das Ziel zu
erreichen, stellte Hefler fest.
In der anschließenden ruhigen und sachlichen Diskussion
unter der Leitung von Jochen Jehle ging es um Fragen zur Finanzierung
und zu Inhalten der Angebote. Fazit eines Zuhörers zum Schluss: "Wenn
man die Ganztagesschule gut macht, ist sie die pädagogisch
bessere Alternative." (Stand: 17.06.2003 22:46)
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