SPD Ortsverein Deggenhausertal
Podium Ganztagesschule

 

 

Unsere Podiumsveranstaltung zur Ganztagesbetreuung

 

Ganztagesbetreuung - Ganztagesschule

Soll das an der Grund- und Hauptschule in Wittenhofen eingerichtet werden?


Diese Referenten standen auf dem Podium Rede und Antwort

MdL Norbert Zeller
Politische Entwicklungen bei der Ganztagesbetreuung und Ganztagesschule

Bürgermeister Knut Simon
Die Ganztagesbetreuung und Ganztagesschulen aus Sicht der Gemeinde und des Gemeindetages

Rektor Josef Brugger (Pestalozzi-Hauptschule in Friedrichshafen)
Das Beispiel der Pestalozzi-Hauptschule als Ganztagesschule

Rektorin Ursula Hefler (Grund- und Hauptschule Wittenhofen)
Konzepte, Überlegungen und Planungen für eine Ganztagsbetreuung und Ganztagesschule an der Grund- und Hauptschule in Wittenhofen

 

Bericht Südkurier

 

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion (v. l.): Bürgermeister Knut Simon, Norbert Zeller, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Rektorin Ursula Hefler von der Grund- und Hauptschule Deggenhausertal, Jochen Jehle, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins, und Rektor Josef Brugger von der Pestalozzischule Friedrichshafen.

 
 

18.06.2003 06:26

Mehr Betreuung der erste Schritt

Diskussion um Ganztagsbetreuung an der Grund- und Hauptschule Wittenhofen
Das Thema brennt insbesondere jüngeren berufstätigen Eltern unter den Nägeln. Deshalb auch hat der SPD-Ortsverein Deggenhausertal zu einer Diskussion über die Ganztagsschule an der Grund- und Hauptschule Wittenhofen eingeladen. Vor 50 Zuhörern gaben kompetente Referenten ihre Statements ab. Deggenhausertal. VON HERBERT JAUCH

Deggenhausertal - Zum Thema muss vorab klargestellt werden: Eine Ganztagsschule ist keine zusätzliche Betreuungseinrichtung. Wie Norbert Zeller, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, erklärte, ist eine Ganztagsschule eine Schule mit veränderter Schulkultur und einem veränderten Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern. Soll eine solche Ganztagsschule mit Ganztagsbetreuung an der hiesigen Schule eingeführt werden? Diese Frage stellte Diskussionsleiter Jochen Jehle, zugleich Vorsitzender des SPD-Ortsvereins, an die 50 Zuhörer, darunter eine stattliche Zahl an Pädagogen und Rektoren benachbarter Schulen.
Für Zeller ist die Ganzstagsschule mehr als eine doppelte Halbtagsschule, sie ist eine Schule mit einem eigenen pädagogischen Konzept, wobei Projektunterricht und Unterricht nach Interessen und Neigungen eine stärkere Berücksichtigung finden. Nach Zeller bestätigt die PISA-Studie, dass unter Berücksichtigung der Chancengleichheit noch rechtzeitig auf den Zug Ganztagsschule aufgesprungen werden muss: "Ganztagsschulen, die immer mehr von der Wirtschaft gefordert werden, dürfen auch in einem typischen ländlichen Raum wie dem Deggenhausertal kein Tabu mehr sein."
Obwohl Bildungspolitik eine Ländersache ist, gibt der Bund Finanzhilfen. Das Land Baden-Württemberg wird mit insgesamt 528 Millionen bedacht. Das Fazit Zellers: Man kann die Ganztagsschule nur empfehlen. Eltern, Lehrer, Schulleitung und Gemeinde sollten sich intensiv damit beschäftigen.
Finanzielle Gründe sind es, die Bürgermeister Simon noch davon abhalten, in die Vollen zu gehen. Neben dem aufwändigen zusätzlichen Sachkostenaufwand müsse die Schülerbeförderung überdacht werden. Die Gemeinde schaffe mit der Erweiterung der Schule zunächst gute Voraussetzungen für Betreuungsangebote. Mit dem Blick auf die Zukunft zeige sich die Gemeinde sehr aufgeschlossen, denn angesichts stagnierender Schülerzahlen trotz beträchtlicher Zuzüge bestehe Handlungsbedarf.
Ü ber seine Erfahrungen berichtete Rektor Josef Brugger von der Pestalozzischule. Der Friedrichshafener Schultyp könne nicht ohne weiteres auf das Deggenhausertal übertragen werden, da einmal das soziale Umfeld ein anderes sei und zum anderen die Beweggründe für die Einrichtung verschieden seien. Er wies darauf hin, dass an seiner Schule zwei Sozialarbeiter im Einsatz sind. Sieben zusätzliche Lehrerstunden pro Klasse werden auf unterrichtsnahe Angebote, auf offene Freizeit und auf Arbeitsgemeinschaften verteilt. Seiner Aussage nach findet das Essensangebot nicht die erwartete Resonanz. Insbesondere Hauptschüler machen wenig Gebrauch davon.
Im Deggenhausertal selbst besteht nach einer Aktion der Schule mit 250 Fragebogen keine zwingende Notwendigkeit zur Einführung der Ganztagsschule. Nach Aussage von Rektorin Ursula Hefler sprachen sich 61 Prozent nicht für ein zusätzliches Angebot aus. Heflers Vorstellungen: Zunächst zusätzliche Betreuungsangebote mit Hausaufgabenhilfe und zusätzlichem Sportangebot schaffen.
In der anschließenden Diskussion wurde von längjährigen und erfahrenen Pädagogen zunächst die Verbesserung der Bedingungen für den herkömmlichen Halbtagsunterricht gefordert: Kleinere Klassen, mehr Sozialarbeiter, mehr Stunden für Neigungsgruppen. Kurt Caspari, Rektor einer Brennpunktschule in Pfullendorf brachte es auf den Punkt: "Wir können mittags nicht flicken, was morgens kaputt gemacht wird." Schlussendlich die Elternbeiratsvorsitzende Maria Diesch: "Wir wollen lieber Geld für Lehrerstunden. Was ist, wenn das Fördergeld verbraucht ist?"


 
     

Bericht Schwäbische Zeitung

 

Simon: Ja zur Ganztagesschule - "aber nicht mit wehenden Fahnen"

DEGGENHAUSERTAL - "Brauchen wir Ganztagsbetreuung in der Schule in Wittenhofen?" Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion des Deggenhauser SPD-Ortsvereins. Rund 50 Zuhörer waren dazu am Montagabend in den "Ochsen" nach Roggenbeuren gekommen.

Von unserer Mitarbeiterin Brigitte Walters

Eigentlich lehnte keiner der Podiums-teilnehmer die Ganztagesbetreuung oder Ganztagesschule ab. Während der SPD-Landtagsabgeordnete Norbert Zeller und Josef Brugger, Rektor der Pestalozzi-Hauptschule in Friedrichshafen, sich recht deutlich dafür aussprachen, hatte die Rektorin der Grund- und Hauptschule in Wittenhofen, Ursula Hefler, einige Bedenken. Sie sprach sich für eine schrittweise Einführung aus. Bürgermeister Knut Simon hob auf die nicht finanzierbaren Belastungen für die Gemeinde ab.

Norbert Zeller nannte zwei wesentliche Gründe, die für eine Ganztagesschule sprechen: Einerseits könnten die Kinder individuell besser und leichter gefördert werden. Andererseits gehe es um Chancengleichheit für schwächere Schüler. Hinzu kom-me, dass auch im ländlichen Raum die Frage nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf immer öfter gestellt werde. Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Stuttgarter Landtag erläuterte außerdem die Zuschuss-Möglichkeiten bei notwendigen Investitionsmaßnahmen. Zusätzliche Personalkosten blieben beim Land hängen. Voraussetzung für die Ganztagesschule sei ein pädagogisches Konzept. Die Schule müsse zudem mindestens an drei Tagen ein ganztägiges Angebot machen - einschließlich Mittagessen für die Schüler.

Bürgermeister Knut Simon mach-te deutlich, dass durch das Angebot einer Ganztagesschule die Attraktivität der Gemeinde steigen würde. "Wir wollen in diese Richtung gehen, aber nicht mit wehenden Fahnen", stellte er fest. Ein Betreuungsangebot an der Schule müsse die Gemeinde finanzieren, was derzeit nicht möglich sei. Erst müsse der finanzielle Hintergrund geschaffen werden. Dabei komme es auch aufs Engagement der Bürger an.

Das pädagogische Profil der Pestalozzi-Gesamtschule erläuterte Josef Brugger. Derzeit habe jeder Schüler mindestens an zwei Nachmittagen in der Woche Unterricht.

Eine schriftliche Umfrage bei den Eltern zum Thema hatte Ursula Hefler an der Wittenhofener Schule gemacht. Dabei waren von den 250 ausgeteilten Fragebögen 138 wieder zurückgekommen. Knapp zwei Drittel der Eltern verneinten den Bedarf für ein erweitertes Betreuungsangebot. Über 50 Eltern wünschten sich jedoch ein erweitertes Angebot. Dabei sollten sportliche und musikalische Interessen berücksichtigt werden, aber auch Sprachkurse. Am häufigsten wurde eine Hausaufgabenbetreuung gewünscht. Es seien günstige Rahmenbedingungen notwendig, so müsse die Frage der Busverbindungen vorher geklärt werden. Die Schulen dürften nicht stehen bleiben, sie müssten sich den Veränderungen der Gesellschaft anpassen. Es sei viel Phantasie, Zuversicht und ein langer Atmen notwendig, um in kleinen Schritten das Ziel zu erreichen, stellte Hefler fest.

In der anschließenden ruhigen und sachlichen Diskussion unter der Leitung von Jochen Jehle ging es um Fragen zur Finanzierung und zu Inhalten der Angebote. Fazit eines Zuhörers zum Schluss: "Wenn man die Ganztagesschule gut macht, ist sie die pädagogisch bessere Alternative."

(Stand: 17.06.2003 22:46)
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